5 Dinge, die ich von Siegfried Hansen in der Street Photography gelernt habe!

Bäm!

Ich hatte das große Vergnügen beim Meister der Linien einen Workshop im September 2019 in München genießen zu dürfen. Und es war – genau wie erwartet – ein Fest. Die Rede ist von Siegfried Hansen.

Das besondere an Siegfrieds Workshop sind gleich zwei Dinge. Zum einen seine echt sehr spannende, lehrreiche und vor allem inspirierende Präsentation zu Anfang des Workshops und, dass er sehr aktiv mit den Teilnehmern auf der Straße mit fotografiert. Siegfried war immer in der Nähe und hatte stets ein offenes Ohr für Fragen und viele zielgerichtete Tipps für jeden einzelnen parat.

Das Kennenlernen

Nach der Kurzvorstellung wurden im großen Kreis die zuvor eingeschickten Bilder eines jeden Teilnehmers angesehen und besprochen. Danach lag Siegfried mit seiner eigenen Präsentation los – und die ist der Hit. Mit vielen Eindrücken seiner Arbeitsweise. Von den Anfängen bis hin zur Gegenwart, Vorbilder, seine Trigger (auf die „Trigger“ komme ich noch zu sprechen. Nach seinem Workshop weißt du auch, was es mit seinen Eistüten auf sich hat) und vielen weiteren Einblicken in sein Schaffen. Man bekommt während der Präsentation richtig Lust, endlich loszuziehen und zu fotografieren. Große Klasse!

Siegfried ist ein sehr humorvoller (nordischer Humor ist köstlich) und angenehmer Zeitgenosse, mit dem man gerne Zeit verbringt und sich gut aufgehoben fühlt. Die Stimmung ist sehr entspannt und freundschaftlich. Sein Wissen vermittelt er kompetent aber nicht mit Zeigefinger-Mentalität.

Kurz und knapp: ein Workshop bei Siegfried Hansen kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen.

Für die technikinteressierten: Unterwegs war ich dieses Mal mit der Leica M9 und, wie so oft, mit nem 28mm Objektiv.
Und ja, ich weiß: es heißt so lapidar „Hobbyfotografen sprechen über Technik, Profis über Fotos“. Ich geh 100% mit, dass man sich viel mehr dem Bild und der Kunst widmen sollte, als dem Equipment. Aber so ein wenig anreißen oder besprechen ist schon ok – oder? Was denkst du?

1. Bei welchen Bildern schlägt dein Herz höher?

München 2019

Wenn du dir Bilder ansiehst, deine eigenen oder die anderer Fotografen – bei welchen geht dein Herz auf – wo schlägt es höher? Welche Bilder geben dir ein gutes Gefühl, sei es beim Betrachten oder beim Fotografieren?

Das können ganz unterschiedliche Bildtypen sein. Vielleicht magst du die zwischenmenschliche Ebene bei Portraits oder eben Linien und Formen, Licht und Schatten, geordnetes Chaos, kontrastreiches Schwarzweiß oder Bilder in den knalligsten Farben …

Fang mit dem an zu Fotografieren, was dich beschäftigt, was dich erfüllt. Geb dich nicht mit weniger zufrieden. Wieso solltest du auch? Mit der Zeit entwickelt sich daraus immer mehr dein Schwerpunkt, in dem auch 2-3 Dinge zusammentreffen können und auch werden. Die Portraits werden vielleicht immer persönlicher und intensiver, deine Formen und Linien eventuell abstrakter, dein Schwarzweiß könnte kontrastreicher werden und deine Farbbilder bekommen vielleicht sogar eine gewisse Ordnung – eine Farbordnung, wenn man so will.

Bleib bei dem, was dich glücklich macht und versuch nicht, dich in eine Schublade zu drängen oder Trends zu folgen. Alles entwickelt sich somit weiter, auch deine Bilder und vielleicht führt das später zu deinem eigenen Look, deinem eigenen Bildstil. Großartig. Da bin ich selbst noch nicht angelangt – du siehst, das kann dauern. Aber das Schöne daran, Dinge zu tun, die einem Freude bereiten und einen glücklich stimmen, ist, dass man es nicht eilig hat. Man hat Zeit. 🙂

2. Entwickele den Seriengedanken

München 2019

Die Idee ist nicht neu – klar. Für mich war es trotzdem ein sehr inspirierender Input von Siegfried. Es spielt ja keine Rolle, wie oft du was gehört hast, sondern wer es dir sagen muß, damit du (endlich) in die Umsetzung kommst. Und so ist es mit dem Seriengedanken bei mir.

Auf der Suche nach bestimmten Bildmotiven

Ich rede jetzt nicht unbedingt von Serien, die sehr umfänglich sind wie z.B. „Deine Stadt“, „Familie“ oder ein anderes Thema was durch unterschiedliche Bilder und von einer Story getragen wird.

Ich rede eher davon, sich eine bestimmte Situation auszusuchen (also deutlich weniger komplex, aber nicht minder schwer oder zeitintensiv) und diese dann gänzlich auszuleben und in unzähligen Bildern festzuhalten. Also die gleiche Motividee bzw. Gegenstand immer neu interpretiert. Das könnten z.B. Schirme sein, Damen mit Kopfschmuck oder was weiß ich nicht noch alles. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos. Das heißt, du solltest dir genau solche Situationen überlegen und danach suchen. Dich quasi auf bestimmte Dinge polen, dich „triggern“! Dazu im nächsten Punkt mehr.

Wenn man dann 100, 200 oder mehr Bilder von dieser einen Situation „gesammelt“ hat – such dir die besten 5-8 Bilder raus, und veröffentliche sie zusammenhängend. Also in deinen üblichen Kanälen. Mit ein wenig Reichweite wirst dann du derjenige sein, von dem das Bildmotiv und die Idee stammt. Du schaffst einen Wiedererkennungswert.

3. Geh mit „Triggern“ durch die Stadt

München 2019

Es gibt verschiedene Arten, wie Street Photographen auf der Straße unterwegs sind. Mit einem festen Plan wie z.B. „Licht und Schatten“ oder eben komplett frei – wartend, auf das, was sich ergibt.

Wie oben erwähnt, empfiehlt Siegfried sich sogenannte „Trigger“, wie er sie nennt, zu überlegen. Und eben nicht nur einen oder zwei – nein, das können 100 sein. Sicher nicht zu Anfang, aber mit der Zeit kommen immer mehr hinzu.

Der Vorteil bei den Triggern, die sich nach kurzer Zeit bereits im Gedächtnis verankern, ist der, dass du bzw. dein Kopf darauf konditioniert wird. Die Situationen springen dich dann förmlich an, wo du sonst vielleicht einfach dran vorbeigelaufen wärst. Das ist wie mit dem Auto welches du dir neu gekauft hast. Sobald du selbst das Auto fährst, kommt es dir so vor, als ob plötzlich jeder mit der Karre fährt – hihi. Man nimmt Dinge einfacher wahr.

Setz dir deine eigenen Trigger

Je skurriler die Situation, je weniger oft kommt sie natürlich vor – um so besser, dass du dann darauf gleich anspringen wirst. Schlafende Personen in der Öffentlichkeit zum Beispiel werden durchaus weniger oft anzutreffen sein, als jemand mit Hut oder Zigarette.

Bau dir nach und nach ein schönes Sammelsurium von unterschiedlichsten Triggern auf, und du wirst nie wieder komplett planlos durch die Stadt laufen. Selbst wenn du mal mit einem konkreten Ziel auf Fototour gehst, bleiben die gespeicherten Situationen in deinem Kopf und sensibilisieren deine Wahrnehmung dahingehend, dass wen sich eine solche Situation ergibt, du sie auch erkennst.

4. Vermeide Text, der nix bringt

München 2019

Oder anders, wenn Text im Bild ist, sollte er was zum Bild beitragen. Als Betrachter des Fotos versuchen wir später dann immer Wort und Bild irgendwie zusammenzubringen.

Noch schlechter als ein Text, der unrelevant ist, ist dann nur noch ein unvollständiger, unrelevanter Text. 🙂 Richtig eingesetzt, führt Text im Foto allerdings zu einer weiteren Ebene im Bild, die das gewisse Etwas ausmachen kann.

Check also unbedingt immer deinen Hintergrund, bevor du dein Foto schießen willst. Oft leichter gesagt, als getan, ich weiß. Aber mit ein wenig Übung und nach einiger Zeit fallen dir die Texte ganz automatisch auf, und du positionierst dich gleich entsprechend vor dem Auslösen.

5. Inspiration von Fotografen und Malern suchen

Bei Punkt 1 hab ich davon erzählt, Dinge zu fotografieren, die dein Herz höher schlagen lassen. So wirst du auch bei bestimmten Werken von anderen Künstlern schnell merken, was dich berührt und was du gerne anschaust. Vielleicht sogar etwas bei dir auslöst. Ein Gefühl oder ein Gedanke.

Tanke aus solchen Künstlern Inspiration. Das muss nicht zwingend ein anderer Street Fotograf sein. Das können auch andere Fotografen aus anderen Bereichen sein oder auch Maler oder Leute aus anderen kreativen Bereichen. Alles was dich eben anspricht.

Kauf dir Bücher, besuch Ausstellungen, schau dir Bilder an und analysiere die, die dir gefallen. Was gefällt dir an dem Bild und wieso? Kannst du versuchen es auch so zu fotografieren oder Elemente eines Bildes für deine Fotografie nutzen? Geld in solche Bücher oder Ausstellungen zu investieren bringt deutlich mehr als neues Equipment – aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Fazit

Ich habs ja schon zu Anfang geschrieben. Der Workshop war große klasse. Wenn ihr die Möglichkeit habt und Lust und Gefallen an Siegfrieds Bildern, besucht unbedingt einen seiner Workshops.

Natürlich gab es noch unzählige weitere Tipps und Infos auf Siegfrieds Workshop, aber ich beschränke mich bewußt auf 5 Stück und wünsche mir, dass du mit dem ein oder anderen Tipp was anfangen kannst.

Bei Fragen, Anregungen oder Anliegen, schreib mir gerne. Ich freue mich immer über Feedback.

PS: Danke fürs Lesen und schön, dass du auf meinem Blog reingeschaut hast.

Liebe Grüße,
dein Mark

Comments 5

  1. Hallo Mark,
    großartiger Beitrag, hat mir großen Spaß gemacht zu lesen.

    Freu mich schon auf nächsten Montag. Hab ja versprochen dass ich auf deiner Internetseite vorbei schaue. Lohnt sich sehr.

    Bleib gesund und kreativ. Eine gute Zeit, wir sehen uns dann wieder auf Instagram oder wenn es dann mal möglich ist zu einem Fotowalk in München.

    Beste Grüße
    Florian

    1. Post
      Author

      Lieber Florian,
      ganz lieben Dank für dein Feedback. Bin selbst gespannt wie das mit jeden Montag klappt. Schön, dass du bei mir immer mal reinschaust 🙂
      Liebe Grüße, viel Gesundheit und bis bald mal,
      Mark

  2. Hallo Mark,
    wieder ein toller Blogartikel, auch wenn ich ihn erst am Freitag gelesen hab.
    Freu mich schon auf den nächsten. Es ist wie mit den Triggern, es bleibt immer etwas hängen, das beim nächsten Mal auf der Strasse wieder aufpoppt und inspiriert.
    Warten wir mal, wann das nächste Mal sein wird.

    Bleib gesund und munter und bis bald wieder live, entweder in b/w oder in Farbe,

    Ralph

    1. Post
      Author

      Lieber Ralph,

      schön, dass dir der Artikel gefällt und auch für dein nettes Feedback.
      Ich sammle seit dem auch fleißig meine eigenen Trigger. Sobald mal eine Serie davon brauchbar ist, poste ich sie auch – natürlich zusammenhängend 🙂

      Auch dir viel Gesundheit in dieser schweren Zeit.
      Bis nächsten Montag – online – hier beim nächsten Blogbeitrag.

      Liebe Grüße,
      Mark

  3. Pingback: Street Fotos bearbeiten – Mark Volz

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